Was ist passiert?
Microsofts Digital Crimes Unit (DCU) hat rechtliche und technische Schritte gegen den Phishing-Dienst RaccoonO365 eingeleitet und dabei 338 Websites beschlagnahmt. RaccoonO365 funktionierte wie ein Abo-Dienst für Cyberkriminelle: Gegen Bezahlung konnten selbst technisch wenig versierte Täter täuschend echte Login-Seiten von Microsoft erstellen, um Zugangsdaten abzugreifen. Laut Microsoft wurden seit Juli 2024 auf diesem Weg mehr als 5.000 Konten in 94 Ländern kompromittiert.
Zeitgleich hat das Microsoft Threat Intelligence Team eine weitere, technisch raffiniertere Kampagne offengelegt: Im August entdeckten die Sicherheitsteams Phishing-Mails, bei denen schädliche SVG-Dateien als PDF-Anhänge getarnt waren. Die Dateien imitierten echte Business-Dashboards, inklusive vertrauter Begriffe und Layouts. Microsoft Security Copilot stufte den Detailgrad und die Struktur des Codes als Hinweis auf KI-generierte Inhalte ein – etwa durch übermäßig beschreibende Bezeichnungen, modulare Aufbauten und standardisierte Verschleierungstechniken. Microsoft Defender für Office 365 blockierte die Kampagne, bevor sie Nutzer:innen erreichte.
Wer ist betroffen – ist Deutschland dabei?
RaccoonO365 zielte weltweit auf Microsoft-365-Nutzer:innen in Unternehmen ab, betroffen waren Konten in 94 Ländern. Eine explizite Aufschlüsselung nach Deutschland liegt aus den Microsoft-Quellen nicht vor, angesichts der breiten Streuung ist eine Betroffenheit hierzulande aber nicht auszuschließen. Zusätzliche Brisanz bekommt das Thema durch Berichte, wonach Phishing-Angriffe auf Microsoft 365 im Umfeld der Fußball-WM um das 22-Fache gestiegen sein sollen – dieser Hinweis stammt aus einer weiteren Quelle und ist bislang nicht offiziell von Microsoft bestätigt.
Ergänzend hat das BSI Bürger-CERT aktuell mehrere Schwachstellen im Microsoft-Edge-Browser gemeldet. Sie ermöglichen laut Warnmeldung unter anderem die Offenlegung von Informationen sowie Spoofing-Angriffe – also das Vortäuschen falscher Identitäten, etwa bei Login-Seiten.
Woran erkennst du die Maschen?
- Achte bei E-Mails mit angeblichen PDF-Anhängen genau darauf, ob der Anhang tatsächlich als PDF geöffnet wird oder verdächtige Dateiendungen wie SVG zeigt.
- Sei misstrauisch bei Login-Seiten, die über Links in E-Mails geöffnet werden – prüfe die URL genau, bevor du Zugangsdaten eingibst.
- Auch technisch aufwendig gestaltete, professionell wirkende Dashboards oder Nachrichten sind kein Echtheitsbeweis mehr – KI-generierte Inhalte können täuschend echt aussehen.
Was solltest du jetzt tun?
Gib Microsoft-365-Zugangsdaten nur auf offiziellen, direkt aufgerufenen Login-Seiten ein – niemals über Links aus E-Mails. Aktiviere, falls noch nicht geschehen, die Multi-Faktor-Authentifizierung für dein Konto. Öffne die Edge-Einstellungen und prüfe, ob dein Browser auf dem aktuellen Stand ist, um die vom BSI gemeldeten Schwachstellen zu schließen. Melde verdächtige Mails deinem IT-Team oder direkt bei Microsoft, statt Anhänge zu öffnen oder Links anzuklicken.